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Projekt Kulturhauptstadt - KulturPalette 2003

Kulturbotschafter Johann Schneider

Die Aktion "275.222 Augsburger" - "Weizenkörner zählen"

Konzeptionelle Beschreibung der Aktion "275.222 Augsburger"

im Rahmen der Kulturpalette auf dem Rathausplatz in Augsburg am 15. September 2003

 

von Johann Schneider - Text: Christine Schneider

 

Die Stadt

 

Die Stadt Augsburg bewirbt sich um die Auszeichnung Kulturhauptstadt Europas 2010.

Augsburg zählt 275.222 Einwohner. Doch eine Stadt ist mehr als die Summe von Einwohnern. Es ist die Heterogenität des politischen, sozialen und kulturellen Lebens, das eine Stadt prägt. Dieses findet in den unterschiedlichsten Bereichen, in Arbeitswelten wie in der Freizeit, im privaten wie im öffentlichen Raum statt. Jeder Bewohner kann Ursprung, Gestalter und Förderer seines kulturellen Umfeldes sein. Nur aus der Zusammenschau all dieser vergangenen und gegenwärtig erlebbaren Anstrengungen der einzelnen Stadtbewohner entsteht für den Nicht-Augsburger, den Nachbarn, den Fremden, den Europäer das Bild einer Stadt, welches ihre Außenwirkung wesentlich bestimmt.

 

Deshalb bleibt das Stadtgebilde Augsburg auch in seinem Bestreben sich Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2010 zu nennen, letztlich auf jedes einzelne seiner Mitglieder angewiesen. Die Einwohner sind es, die die Stadt repräsentieren während sie gleichzeitig deren integraler Bestandteil sind.

 

Dieser Zusammenhang wird mit einer Aktion verbildlicht. Dabei soll sich zum einen jeder Augsburger als essentieller Teil seiner Stadt verstehen und das Selbstverständnis der Stadt buchstäblich aus ihren Mitgliedern entwachsen. Gewollter Nebeneffekt des Bildes wird sein, dass jedes Nichtmitglied der Kommune die Vitalität, die Attraktivität, den Willen zum Wachsen und Gestalten dieses Gebildes erkennen wird.

 

Das Weizenkorn

 

Weizen gehört zu unseren Grundnahrungsmitteln. Weizen ist eine Kulturpflanze, die sich der Mensch im Laufe der Jahrtausende nutzbar gemacht hat. Unter geeigneten Bedingungen reproduziert sich das Korn vielfach. Weizenfelder prägen die Landschaften unserer Region und sichern damit gleichzeitig das Überleben der Bevölkerung. Dem Weizenkorn kommt als Hauptbestandteil des Brotes eine symbolische Bedeutung zu, die weit über den ernährungsphysiologischen Aspekt hinausgeht und sich auch nicht im Religiösen erschöpft.

 

Weizenkörner gehören zu unserem Alltag. Nicht nur ihrem Produzenten, dem Landwirt, sind sie vertraut. Jeder städtische Haushalt besitzt Weizen, egal ob als ganzes Korn, gequetscht im Müsli, gemahlen im Mehl oder letztlich gebacken im Brot. Auch wenn die Körner auf den ersten Blick klein und unscheinbar erscheinen, gewährleisten sie doch unser tägliches Überleben.

 

Weizenkörner sind Kraftpakete und Energiequellen. Einmal in ein günstiges Umfeld gepflanzt, keimen, grünen und wachsen sie buchstäblich über sich hinaus und vermehren sich. Damit sind Weizenkörner ausgezeichnet geeignet das Potential, die Kraft, die Entfaltungsfähigkeit eines Jeden zu verdeutlichen. Der Stadt Augsburg zeigen die Körner, wie ihr nur durch die Bündelung aller ihrer Mitglieder die größte Ernte gelingen kann auf dem Weg Kulturhauptstadt Europas zu werden.

 

Augsburg zählt

 

Das Bild einer aktiven, kraftvollen, sich engagierenden Stadt soll mit der Aktion "275.222 Augsburger" im Rahmen der Kulturpalette entstehen.

 

Dazu werden einen Tag lang, am 15. September 2003 Weizenkörner gezählt. Insgesamt sollen 275.222 Körner abgezählt werden, die symbolisch für die Einwohner der Stadt stehen. Zähler werden Passanten, Einheimische, Touristen, Neugierige sein, wer auch immer auf die Aktion aufmerksam wird. Auch wenn damit kein repräsentativer Durchschnitt der Stadtbevölkerung erzielt werden kann, werden sich darunter Christen, Juden und Muslime, Kinder und Alte, Biertrinker und Weinkenner, Sozialdemokraten und Homosexuelle, Jogger und Porsche-Fahrer befinden. Die gesamte gesellschaftliche Vielfalt der Stadt Augsburg wird sich in ihnen spiegeln.

 

Um einem großen Tisch innerhalb der Kulturpalette sitzen die Protagonisten, die Zähler. Der Tisch ist mit einem großen Leintuch bedeckt, auf dem der Umriss des Kontinents Europa gezeichnet wurde. Innerhalb des Umrisses liegt ein große Menge Weizenkörner, die nun von den Teilnehmern aufgenommen und gezählt werden können. Zählmethode und Dauer des Zählvorgangs bestimmt jeder Teilnehmer selbst. Anschließend bringt er seine Weizenkörner zur Dokumentationsstelle. Dort wird neben der Zahl der Körner, sofern der Teilnehmer einverstanden ist, auch sein Name und sein Alter auf einem Formblatt festgehalten. Der Zähler erhält zum Dank und zum Nachweis seines Engagements ein Dokumentationsblatt. Ein Additionsprogramm registriert die einzelnen Kornpartien. Zum Schluss gibt der Zähler seine Weizenkörner in ein aufgestelltes großes Gefäß, in dem langsam ein symbolisches Äquivalent für die Einwohnerschaft Augsburgs entsteht.

 

In einem weiteren Schritt wird das abgezählte Getreide ausgesät. Es erhält die Möglichkeit zu keimen, zu wachsen und neue Weizenkörner zu bilden.

 

Angedacht ist weiterhin, dass die geernteten Körner dieses Getreidefeldes Ausgangspunkt für eine vergleichbare Aktion eines weiteren Bewerbers im Kampf um den Status einer Kulturhauptstadt Europas der Jahre nach 2010 werden. Damit beginnt ein Staffellauf, der die Idee Europas, als einer Gemeinschaft lebendiger, kulturell reicher Regionen weiterträgt.

 

Augsburg wächst

 

Die Aktion "275.222 Augsburger" verdeutlicht, dass die städtische Gemeinschaft große kulturelle Ressourcen besitzt, die nutzbar gemacht werden sollten. Jeder Einwohner als Teil dieser städtischen Gemeinschaft hat die Möglichkeit sein Umfeld zu gestalten.

 

Dieser Umstand wird zunächst im Mitwirken der Zähler genutzt, die die symbolische Menge von 275.222 Weizenkörnern ermitteln. Es wird ein Forum geschaffen, in dem die Einwohner ihre Stadt im Kleinen nachbauen und über sie reflektieren können. Aus einer zunächst unüberschaubaren Menge scheinbar belangloser Weizenkörner entsteht ein fassbares, begreifbares, gewichtiges Abbild Augsburgs mit 275.222 Individuen.

 

Werden die Körner ausgesät, bietet man ihnen die Möglichkeit zu keimen und zu wachsen. Wiederholt wird das Potential des Einzelnen genutzt, der sich wandelt, mit Leben füllt und grünt. Diesen Vorgang kann nicht nur von Augsburg aus staunend beobachtet werden. Jeder Außenstehende, jeder Betrachter des Feldes muss das Potential, das in der Stadt steckt erkennen. Die parallel durchgeführte Dokumentation bildet nur vordergründig die verschiedenen Zählvorgänge ab . Vielmehr wird das Engagement der Beteiligten Augsburger für die Zukunft festgehalten. Nachvollziehbar wird dies für jeden, der sich von dem Gestaltungswillen der Bevölkerung überzeugt.

 

Nur vor diesem Hintergrund, einer energiereichen, zum Gestalten bereiten Haltung entsteht kulturelles Leben, das verdient als Kulturhauptstadt Europas 2010 ausgezeichnet zu werden.